T. 0700 - 309 309 309

Wie kann ein Nachteilsausgleich gestaltet werden?

Schülerinnen und Schüler mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie haben einen Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. Dieser begründet sich allein aus der vorliegenden Diagnose einer Lese-Rechtschreibstörung oder Rechenstörung. Eine diagnostizierte Lese-Rechtschreibstörung oder Rechenstörung nach ICD-10 F.81 ff ist gleichzusetzen mit einer anerkannten Behinderung und wird juristisch auch so eingeordnet. Die Rechte für die betroffenen Kinder leiten sich direkt aus dem Grundgesetz Art. 3, Abs. 3 ab. "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, .... Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."  Eltern können den Antrag auf Nachteilsausgleich formlos bei der Schulleitung stellen. Der Antrag auf Nachteilsausgleich sollte möglichst genau formuliert sein, damit die individuellen Beeinträchtigungen bestmöglich kompensiert werden können. Ein Nachteilsausgleich stellt keine Bevorzugung oder Vereinfachung dar, sondern soll helfen, dass das Wissen ungehindert aufgenommen und verarbeitet werden kann. Ein Kind, das z. B. noch nicht sinnentnehmend lesen kann, muss die Aufgabenstellung in einer Klassenarbeit (in jedem Schulfach) vorgelesen bekommen oder darf eine Vorlesesoftware nutzen, um so überhaupt sein fachliches Wissen darlegen zu können. Gerne beraten wir unsere Mitglieder, wie sie hier die Weichen stellen können, damit ein begabungsgerechter Schulabschluss, bzw. Ausbildungs- oder Studiumsabschluss erreicht werden kann.

Nachteilsausgleich bei Problemen beim Lesen

Eine Legasthenie kann dazu führen, dass es schwer fällt, sinnentnehmend zu lesen oder der Leseprozess stark verlangsamt ist. Bei einer Verlangsamung im Leseprozess ist es hilfreich, wenn eine Zeitzugabe bei den Aufgabenstellungen gewährt wird. Hier muss individuell geprüft werden, wie hoch der Zeitzuschlag sein muss, um die Benachteilung auszugleichen. Kann nicht sinnentnehmend gelesen werden, dann ist es nicht möglich, die Aufgabenstellung zu verstehen. Hier ist es dann notwendig, dass die Aufgabenstellung vorgelesen wird oder bei älteren Schülerinnen und Schülern eine Vorlesesoftware genutzt werden darf. Das kann auch noch in der Ausbildung oder Studium notwendig sein.

Nachteilsausgleich bei Problemen beim Rechtschreiben

Sollten massive Probleme bei der Rechtschreibung bestehen, hilft es als Nachteilsausgleich nicht, mehr Zeit zu gewähren. Menschen mit einer Legasthenie sind nicht in der Lage, ihre eigenen Fehler zu finden. Wenn mehr Zeit gewährt wird, führt das sogar häufig dazu, dass richtige Worte falsch korrigiert werden. Ein Zeitzuschlag kann wichtig sein, weil das Verschriftlichen oftmals verlangsamt ist, da viele Wörter nicht automatisiert geschrieben werden können und die Herleitung zusätzliche Zeit kostet. Hilfreich ist bei Problemen mit der Rechtschreibung z.B. eine mündliche statt einer schriflichen Prüfung, insbesondere bei Vokabeltests ist das sehr wichtig (s. Erlass § 4.1). Sollte ein mündlicher Test nicht möglich sein, dann sollten andere Kompensationsstrategien zum Einsatz kommen wie z.B. ein PC mit einer Rechtschreibkorrektur, eine Sprachsoftware oder eine Schreibassistenz.
Eine weitere Möglichkeit ist auch hilfreich: Falls die Kinder den Vokabeltest mitschreiben müssen, ist es wichtig und richtig, dass der Lehrer/die Lehrerin die falsch geschriebenen Vokabeln als gewusst bewertet. Denn bei einer mündlichen Überprüfung, die der Erlass gestattet, kann die Rechtschreibung auch nicht überprüft werden. § 4.1, Abs. 2 des Erlasses: „Die Rechtschreibleistungen werden nicht in die Beurteilung der schriftlichen Arbeiten oder Übungen im Fach Deutsch oder einem anderen Fach mit einbezogen.“  Das ist eine MUSS-Vorschrift!

Nachteilsausgleich bei Problemen beim Rechnen

Mathematik gehört zu den Kernfächern jedes Schulsystems und ist stets versetzungsrelevant. Eine ausgeprägte Rechenstörung kann zu generellem Schulversagen führen, wenn sich jahrelang Druck und Ängste auf Motivation, Lerneifer und Selbstbewusstsein und somit auf die allgemeine schulische Leistungsfähigkeit negativ auswirken. Die Dyskalkulie macht es den betroffenen Schülerinnen und Schülern besonders schwer, weil sie meistens auch keine mündliche Beteiligung zeigen können.  

Gewährung von Nachteilsausgleichen für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen, Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung und/oder besonderen Auffälligkeiten – Arbeitshilfen für Schulen

Legasthenie und Dyskalkulie gehören zu den anerkannten Behinderungen. Wenn die fachärztliche Diagnose einer Lese-Rechtschreib- oder Rechenstörung nach ICD-10 F. 81ff. vorliegt, gelten für Schülerinnen und Schüler auch die Regelungen für Menschen mit Behinderungen. Über diesen Weg lassen sich oftmals anforderungsgerechte Nachteilsausgleiche gestalten, wodurch die Beeinträchtigungen der Schülerinnen und Schüler mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie bestmöglich ausgeglichen werden können. Hier finden Sie dazu entsprechende Ausführungen.

 https://www.schulministerium.nrw.de/docs/bp/Lehrer/Service/Ratgeber/Nachteilsausgleiche/