Was bedeutet Nachteilsausgleich?

Der Nachteilsausgleich zielt darauf ab, Schülern/Studierenden mit Legasthenie/Dyskalkulie die Möglichkeit zu geben, das Leistungsvermögen darzustellen und ihre Fähigkeiten im Hinblick auf die gestellten Anforderungen nachzuweisen. Ein Nachteilsausgleich ist individuell zu gestalten Dabei darf keine ungerechtfertigte Bevorzugung entstehen. Die inhaltlichen Leistungsanforderungen, die an die Schüler gestellt werden, müssen bei allen Schülern gleich sein.

Ein Nachteilsausgleich ersetzt keine Fördermaßnahmen.

Wo erhalte ich Informationen zum Nachteilsausgleich?

Gerne beraten wir Sie zum Nachteilsausgleich sowie zum Verfahren der Beantragung, das in NRW nicht für alle Schularten einheitlich geregelt ist. Als BVL-Mitglied erhalten Sie eine individuelle Beratung. Im Servicebereich unserer Webseite haben wir für Sie eine Informationsbroschüre zum Nachteilsausgleich von Beate Breimann sowie weitere Handreichungen eingestellt. Bitte beachten Sie auch die Informationen im Menüpunkt Erlass.

Wenngleich die medizinische Diagnostik einer Lese-Rechtschreibstörung in NRW nicht verpflichtend ist für die Gewährung eines Nachteilsausgleichs, empfehlen wir im Fall von erheblichen Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und/oder Rechnen die Diagnostik durch einen Facharzt ((Kinder- und Jugend-)Psychiater) oder psychotherapeutischen Kinder- und Jugendpsychologen. Ein fachmedizinisches bzw. -psychologisches Gutachten ist beispielsweise auch für den Antrag auf Übernahme von Therapie­kosten gegenüber dem Jugendamt erforderlich.

Welche Maßnahmen kommen bei Legasthenie in Frage?

Mögliche Maßnahmen im Rahmen des Nachteilsausgleichs bei Vorliegen von besonderen Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben sind beispielsweise

  • Schreibzeitverlängerung
  • mündliche Leistungsnachweise anstelle von schriftlichen (z. B. bei Abfrage von Vokabelkenntnissen in Fremdsprachen)
  • kein Einbeziehen der Rechtschreibleistung in die Beurteilung von schriftlichen Arbeiten und Übungen im Fach Deutsch oder anderen Fächern
  • Nutzung technischer Hilfsmittel

Daneben kann auch eine Nutzung methodisch-didaktischer Hilfen (z. B. größere Schrift, optisch klar strukturierte Arbeitsblätter, ...) in Frage kommen.

Die Rechtschreibleistung wird gemäß den für NRW gültigen Regelungen  (s. Menüpunkt Erlass) nicht in die Beurteilung der schriftlichen Arbeiten und Übungen mit einbezogen. Dies gilt durchgängig für die Klassen 1 bis 6. Für die Klassen 7-10 gilt diese Regelung, sofern die besonderen Schwierigkeiten im Rechtschreiben nicht behoben werden konnten.  Gerne beraten wir Sie dazu.

Nachteilsausgleich bei besonderen Schwierigkeiten im Rechnen

Anders als bei der Legasthenie gibt es für den Bereich der Dyskalkulie in Nordrhein-Westfalen keinen Erlass, der einen Nachteilsausgleich regelt.

Die Arbeitshilfen des Kultusministerium für die Primarstufe und für die Sekundarstufe enthalten aber auch Informationen zu unterstützende Maßnahmen für Schülerinnen und Schülern bei besonderen Auffälligkeiten im Bereich Rechnen:

"Im Zentrum des pädagogischen Handelns in der Schule steht auch in diesem Zusammenhang daher die kontinuierliche individuelle Förderung und Beratung mit entsprechenden besonderen Unterstützungsmaßnahmen. Inhalte und Formen solcher Förderangebote ...  können im Rahmen der pädagogischen Gestaltungsspielräume ggfs. auch räumliche oder zeitliche Unterstützungsmaßnahmen wie die Ermöglichung eines reizfreien Arbeitsplatzes bzw. eine Zeitzugabe umfassen."

Auch informiert die BVL-Handreichung für Lehrkräfte zur Dyskalkulie über zahlreiche didaktisch-methodische Möglichkeiten als Maßnahmen der individuellen Unterstützung sowie zur Förderung. Zur möglichen Ausgestaltung des Nachteilsausgleichs beraten wir Sie gerne.